1985 bis heute

Das Chorleben im jüngsten Vierteljahrhundert der Vereinsgeschichte des Gemischten Chores "Arion" Weidenhausen wurde geprägt durch das Wirken zweier Chorleiter: durch Albert Pfeil und durch Jens Schreiber.

 

Albert Pfeil übernahm den Dirigentenstab im Jahre 1986. Neben dem Streben nach musikalischem Erfolg hatten für ihn Harmonie und Geselligkeit im Chorleben erhebliche Bedeutung. Noch gern erinnern sich noch heute diejenigen Sängerinnen und Sänger unseres Chores, die damals schon aktiv waren, an manch gemütliches Beisammensein, bei dem Albert Pfeil seine Zither auspackte und für gute Stimmung sorgte. Die musikalische Weiterentwicklung des Chores in dieser Zeit lässt sich belegen durch verschiedene Teilnahmen an Konzerten, an Gutachtersingen und Chorwettstreiten, die überwiegend positiv verliefen. So kann man z.B. für das Jahr 1990 im Protokollbuch nachlesen, dass der Chor damals beim Wettstreit in Hartenrod äußerst erfolgreich war und alle ersten Preise in seiner Klasse holte. Nur 14 Tage später sah das Ganze beim Wettstreit in Berghausen völlig anders aus. Hierzu sagt das Protokoll: "Das Ergebnis fiel für den "Arion" allerdings nicht so gut wie in Hartenrod aus, aber mit einem zweiten und einem dritten Preis gaben sich die Sängerinnen und Sänger auch zufrieden. Es kann eben nicht jeder gewinnen!" -- Eine sicher löbliche Einstellung!

 

Nach einem Gutachtersingen im März 1998 mussten Chor und Chorleiter feststellen, dass der Leistungsstand stagnierte. Albert Pfeil bot deshalb, aber auch aus gesundheitlichen Gründen, seinen Rücktritt als Chorleiter an und man trennte sich in gegenseitigem Einvernehmen.

 

Die Verpflichtung von Jens Schreiber zum neuen Chorleiter im Mai 1998 löste in Weidenhausen eine erhebliche Erwartungshaltung aus: Schon bei der Kennenlern-Probe an einem Samstagmittag um 13:00 Uhr -- einer für damalige Verhältnisse "unmöglichen" Probezeit -- erschienen mehr als 40 Sängerinnen und Sänger, darunter fünf "junge Neue". Alle waren neugierig auf den jungen Chorleiter, der schon damals als erfolgsorientiert und erfolgreich galt. Manche fragten sich auch, ob sie den neuen Ansprüchen gerecht werden könnten. Aber innerhalb kürzester Zeit der gemeinsamen musikalischen Zusammenarbeit waren diese Bedenken weggewischt. Der Chor stellte sich bereitwillig der neuen Herausforderung und Jens Schreiber verstand es sofort, diesen Leistungswillen und das vorhandene Leistungspotenzial zu nutzen und zu fördern.

 

Die erste größere Herausforderung für unseren Chor unter der neuen Leitung war die Teilnahme am Leistungssingen der Stufe I im November 1999 in Dotzlar. Zu unserer großen Freude wurden dort alle drei Vorträge mit der Note "sehr gut" bewertet und der Chor und der Chorleiter sahen sich auf ihrem gemeinsamen Weg bestätigt.

 

Nur ein Jahr später, am 5. November 2000, wurde die Leistungsstufe II in Korschenbroich in Angriff genommen. Die Nervosität und Spannung aller Mitfahrenden vom "Arion" Weidenhausen wurde erst dann etwas geringer, als feststand, dass die Chorleitung nicht zur Wertungsrichterbesprechung "antreten" musste und wir also bei den Chören waren, die die Leistungsstufe II erreicht hatten. Riesiger Jubel brach dann bei der Ergebnisbekanntgabe aus: Dreimal bekamen wir die Note "sehr gut", einmal die Note "gut" -- eine Wertung, die wir kaum erwartet hatten. Auch im Nachhinein lässt sich noch sagen, dass die darauf folgende Woche von diversen Feierlichkeiten "überschattet" wurde.

 

Im Jahr 2001 konnte unser Chor "Arion" Weidenhausen seinen 120. Vereinsgeburtstag feiern. Dies war für Jens Schreiber u. a. der Anlass für die Planung eines außergewöhnlichen Chorprojektes: Gemeinsam mit den Sängerinnen vom Frauenchor Oberndorf-Rüppershausen und mit den Sängern vom Männerchor "Camerata Vocale" Siegen-Wittgenstein wurde wochenlang die "Cäcilienmesse" von Gounot geprobt. Allerdings stand die Finanzierung des Projektes auf tönernen Füßen. Erst die tatkräftige Unterstützung durch den Kulturring der Stadt Bad Laasphe und finanzielle Hilfen mehrerer Sponsoren machten es möglich, dass am Jahresende 2001 in der Aula des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe und in der Evangelischen Kirche Hilchenbach die Zuhörer jeweils ein besonderes Musikerlebnis genießen konnten: Mehr als 100 Sängerinnen und Sänger der genannten Chöre boten zusammen mit dem Orchester der Philharmonie Südwestfalen und drei Solisten unter der Gesamtleitung von Jens Schreiber zwei Konzerte, die auch bei den Aktiven einen bleibenden Eindruck hinterließen.

 

Auch die erfolgreiche erste Teilnahme unseres Chores am Zuccalmaglio-Volksliederwettbewerb am 7. Juli 2002 in Wachtberg-Berkum war ein Highlight der jüngsten Chorgeschichte. Größer als die Sorge um das Erreichen des Titels "Volksliederleistungschor" war bei vielen Sängerinnen und Sängern das Interesse, ob der Auftritt der mitgereisten Kinder aus Weidenhausen "klappen" würde. Diese Gruppe untermalte den Volksliedvortrag von "Die Blümelein, sie schlafen" pantomimisch zu aller Begeisterung. Die Eltern der jungen Schauspieler halfen bei den Proben, bei der Organisation und beim Transport mit und machten so das Gelingen dieses Chorauftritts erst möglich.

 

Dann das Jahr 2003: Zum ersten Mal in seiner Geschichte konnte der Gemischte Chor "Arion" Weidenhausen zum so genannten Meisterchorsingen anmelden. Am 1. Juni 2003 wartete im Zeughaus in Neuss die große Herausforderung. Etwa zwei Monate vorher gelang die Generalprobe eines Teils der geplanten Meisterchorvorträge beim Chorwettbewerb in Werthenbach nur äußerst mäßig. Nach dieser "Klatsche" bewiesen Chorleiter und Chor aber mentale Stärke und waren in der Lage, in den folgenden Wochen noch erheblich zuzulegen.

 

Das Geschehen auf dem Weg zum Meisterchortitel wurde vom "Nikolaus", der den Chor bei der Weihnachtsfeier 2003 besuchte, mit folgenden gereimten Worten beschrieben:

 

Ich habe mich gut informiert,
was im abgelaufenen Jahr 2003 in eurem Chorleben so ist passiert.
Das große Ziel war es, den Meisterchortitel nicht zu verpassen;
dass ein solcher Erfolg gelang, ich kann's heute noch nicht fassen.
Drei Einsen habt Ihr Euch ersungen,
Eure Lieder haben in allen Ohren wohl geklungen.

 

Doch bei der Aufstellung zum Singen hab ich mir Sorgen gemacht,
hattet ihr und euer Chorleiter denn nicht bedacht,
dass man sich beim Singen Stimmenweise aufstellt --
dass das anders auch geht, hat die Preisrichter und mich sehr erhellt.

 

Dann eure Vorträge -- zuerst das "Musica":
Mit kleinem und großem Chor es eine rechte Freude war.
Damit purzelte die erste "Eins" heraus,
damit war der Bann gebrochen, sag ich heute als Nikolaus.
Auch das "Domine" habt ihr hervorragend gesungen,
schade, dass es aus eurem Mund bis heute kaum noch mal erklungen.

 

Bei den "Blümelein" ward ihr hoch motiviert,
damit bloß keine magere Punktzahl passiert.
Die Preisrichter haben das gleich bemerkt
und euch mit der dritten "Eins" den Rücken gestärkt.
Für den "Gruß" hat's die Note "Zwei" gegeben!
Das ließ sich ertragen -- damit ließ sich gut leben.
Nur weil ihr die Preisrichter nicht freundlich genug gegrüßt,
habt ihr die vierte "Eins" hier knapp eingebüßt.

 

Am Schluss hat euer Chorleiter nicht mehr geschimpft,
er hatte euch aber auch auf den Tag fit geimpft.
Vergessen waren alle Übungsstunden und Plagen;
dass ihr hinterher kräftig gefeiert habt, muss ich auch sagen.
Ja, vom Feiern versteht ihr so allerlei --
ich war ja schließlich auch dabei.

 

Doch denk' ich an die Übungsstunden im Winter und Frühjahr noch immer,
da gab es Zeiten mit wenig Hoffnungsschimmer.
Die Tonlage, die Notenwerte, der Takt oder ob laut, ob leise,
jeder interpretierte das alles auf eigene Weise.
Noch beim Wettstreit in Werthenbach -- ich hörte mal zu --,
stand der Chor mit dem Reinheitsgebot nicht auf Du und Du.

 

Besonders der Bass, mir war's schon klar,
machte dem Jens Arbeit im letzten Jahr.
Ab und zu gab es vielstimmiges Gebrumm,
den Jens trieb's zur Weißglut, mich machte es stumm.
"Wollt Ihr mich verarschen?!?" hat er dann gefragt.
"Das habe ich Euch doch schon x-mal gesagt!!!".
Nach solch einer Kopfwäsche war es wie ein Wunder:
Die harmonischsten Töne produzierte der Bass ganz munter.

 

Die Herren vom Tenor, die dachten ganz stolz:
"Wir sind aus ganz besonderem Holz!
Wir sind nicht nur schön, wir singen auch gut!",
doch beim ernsthaften Proben verließ sie manchmal der Mut.
Da wurde gequiekst, gehustet, gekrächzt,
bei den langen Bögen nach Luft gelechzt.
Nun ist den Herren dort sicherlich klar:
Ganz so einfach, wie geglaubt, war es nicht letztes Jahr!

 

Nun zu den Damen, ich beginne im Alt,
nicht immer habt Ihr alles sofort geschnallt.
Etwas mehr Selbstbewusstsein, das täte Euch gut,
ihr könnt doch singen, meist fehlt nur der Mut!
Lasst Euch vom Erfolg in Neuss beglücken,
singt ruhig frei zu aller Entzücken.
Das macht auch dem Jens Freude und allen ist klar:
Dann bleibt der Erfolg auch im nächsten Jahr.

 

Auch bei den meisten Sopran -- Damen muss ich sagen,
ihr könntet ruhig ein wenig mehr Robustheit vertragen.
Wenn ihr euch nicht traut zu singen,
kann dem Jens auch keine Hilfe gelingen.
Macht ruhig den Mund auf -- so wie zu Hause --
da habt ihr doch das Sagen ohne Pause.

 

Zum Schluss -- einen hab' ich bisher kaum genannt:
Euren Chorleiter Jens Schreiber, aus Ferndorf kommt er angerannt.
Den Erfolg des Chores bis zum heutigen Tage
ist besonders Dein Erfolg -- ganz ohne Frage.
Mit geschickter Hand, mit gutem Ohr
stößt für den Chor du auf das Tor
zu ungeahntem Leistungsvermögen -- mir ist schon klar:
Das war hervorragend im letzten Jahr!
Für euch alle gilt nun im kommenden Jahr:
Sorgt dafür, dass dieser tolle Erfolg keine Eintagsfliege war!
Kommt regelmäßig und pünktlich zum Proben,
dann kann ich euch auch im nächsten Jahr loben!

 

Im Jubiläumsjahr 2006 kann man sagen, dass sich der Gemischte Chor "Arion" Weidenhausen und sein Chorleiter Jens Schreiber bisher an die damaligen Ratschläge vom "Nikolaus" gehalten haben. Die Bereitschaft zur Leistung dokumentiert sich zum Beispiel an sieben Chorwettstreitteilnahmen in den letzten beiden Jahren. In bester Erinnerung sind noch die Wettbewerbe in Niederdielfen, in Kleingladenbach und in Banfe, die uns in der Klasse G1 jeweils alle ersten Preise bescherten. Der jeweilige Empfang des Chores -- sogar mit Feuerwerk -- bei der Rückkehr nach Weidenhausen begeisterte alle. Aber die erfolgreiche Chorwettstreitteilnahme ist für einen Chor sicher nicht der alleinige Maßstab für ein funktionierendes Chorleben. Vorrangig und selbstverständlich sind für die "Arion" -Sängerinnen und -Sänger regelmäßige Auftritte in der Kirche Weidenhausen, bei Familienjubiläen oder bei Veranstaltungen befreundeter Vereine. Wir sind ein Chor aus einem kleinen Dorf, wollen bewusst Chor dieses Dorfes und dort weiterhin attraktiv sein. Unter diesem Aspekt ist zum Beispiel auch unser Kirchenkonzert zu Weihnachten 2004 zu sehen, dessen Reinerlös für die neue Orgel gespendet wurde.

 

Derzeit ist der Gemischte Chor "Arion" Weidenhausen mit 56 Aktiven einer der größten Chöre Wittgensteins. Wir sind in der glücklichen Lage, mehr als ein Drittel junger und ganz junger Sängerinnen und Sänger in unseren Reihen zu haben. Wenn wir uns Gemeinschaftssinn, gegenseitige Akzeptanz und Leistungsbereitschaft weiterhin erhalten, braucht der Chor um seine Zukunft nicht zu fürchten.

 

Heinrich Imhof

 

Die folgenden Jahre besuchte der Chor weiterhin Chorwettbewerbe - die meisten davon erfolgreich. Auch die erste Bestätigung unseres Meisterchortitels in 2008 in Werl verlief erfolgreich. Mit 21,0 (sehr gut), 21,0 (sehr gut), 20,0 (gut) und 20,4 (gut) konnten wir unseren in 2003 errungenen Meisterchortitel bestätigen. In 2009 beteiligte sich der Chor an dem Weidenhäuser Dorfjübiläum sowohl an den Festtagen im stehenden Festzug als auch mit einem Chorkonzert in der Weidenhäuser Kirche. Einzig der Zahn der Zeit nagte auch im Laufe der Jahre an unserem Chor und die Zahl von 56 aktiven Sängerinnen und Sängern nahm von Jahr zu Jahr ab.

 

In 2011 trennten sich nach 13-jähriger Zusammenarbeit die Wege von Chor und Chorleiter Jens Schreiber in gegenseitigem Einvernehmen, weil beide Seiten nach 13 erfolgreichen Jahren sich neuen Herausforderungen stellen wollten. Als neuen Chorleiter konnten wir Holger Born aus dem benachbarten hessischen Dodenau gewinnen. Gemeinsam mit Holger wollten wir neue Wege gehen und stellten uns bereits 2012 auf den Birkefehler Chortagen das erste mal gemeinsam einer Jury. Wir errangen zwar lediglich die 2ten Klassenpreise, allerdings mussten wir uns nur knapp geschlagen geben. In 2013 konnten wir uns zum dritten Male zum "Meisterchor im Chorverband NRW" krönen. Die Ergebnisse waren wie folgt: 21,0 (sehr gut), 20,6 (gut), 21,0 (sehr gut) und 20,2 (gut). Im Frühjahr 2014 veranstaltete der Chor gemeinsam mit der A-Cappella-Formation TonART ein Benefizkonzert in der Weidenhäuser Kirche. Der Erlös diente der finanziellen Unterstützung einer Delfintherapie für Lina-Sophie Hartisch. Ihre Mutter Katja ist gebürtige Weidenhäuserin und somit war dies eine Herzensangelegenheit des Chores.

 

Leider trennten sich die Wege von Holger Born und dem Chor aus gesundheitlichen Gründen bereits wieder im Jahr 2015. Man konnte recht zeitnah mit Jens Schreiben einen alten Bekannten für den Dirigentenstuhl gewinnen. Nach einjähriger Zusammenarbeit trennten sich aber Chor und Chorleiter bereits wieder.

 

In 2016 war man also wieder auf der Suche nach einem neuen Dirigenten und wurde schnell fündig. Matthias Merzhäuser übernahm den Chor im Juni 2016 und beide Seiten hofften, die kommenden Jahre erfolgreich und vor allem mit Spaß am Singen zu bestreiten.

 

Daniel Benfer